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Franz MuĂner
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Franz MuĂner (* 31. Januar 1916 in Edelham, Gemeinde Feichten an der Alz; â 3. März 2016 in Passaucite-ref-1[1]cite-ref-2[2]) war ein deutscher rĂśmisch-katholischer Geistlicher und Theologe. Er war Professor fĂźr Neues Testament an der Theologischen Fakultät Trier und der Universität Regensburg. MuĂner galt als einer der Bahnbrecher der modernen rĂśmisch-katholischen Bibelwissenschaft und der jĂźdisch-christlichen Verständigung. FĂźr das Werk Traktat Ăźber die Juden, das in sechs Weltsprachen Ăźbersetzt wurde, und fĂźr seinen Einsatz um die AussĂśhnung von Juden und Christen wurde er 1985 mit der Buber-Rosenzweig-Medaille geehrt.
Contents
⢠Leben
⢠Wirken
⢠Wßrdigungen
⢠Auszeichnungen
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Leben
Franz MuĂner besuchte von 1922 bis 1927 die Volksschule im nahe gelegenen Feichten. Auf dem Gymnasium war er fĂźr ein Jahr bei den Benediktinern von Niederaltaich (St.-Gotthard-Gymnasium) und dann bis zum Abitur (1936) am Humanistischen Gymnasium Passau. Nach einem halben Jahr Arbeitsdienst studierte er Philosophie und Theologie in Passau, Eichstätt und WĂźrzburg, bis der Zweite Weltkrieg das Studium unterbrach. MuĂner war von Herbst 1939 an Soldat an der Ostfront. Ab dem Herbst 1944 wurden Theologiestudierende als âwehrunwĂźrdigâ aus dem Militärdienst entlassen. Am 2. April 1945 (Ostermontag) wurde Franz MuĂner in Passau zum Priester geweiht. In seinem Heimatbistum wirkte er in den Pfarreien NeuĂśtting und Tittling als Kaplan.
Zum Sommersemester 1947 wurde MuĂner von seinem Heimatbischof Simon Konrad Landersdorfer zum Weiterstudium beurlaubt. Er studierte in MĂźnchen Exegese des Neuen Testaments, zunächst bei Friedrich Wilhelm Maier und dann bei dessen Nachfolger Josef Schmid. Franz MuĂner schloss das Lizenziat in Bibelwissenschaften in Rom am Päpstlichen Bibelinstitut ab, wo auch der spätere Kardinal Augustin Bea zu seinen Lehrern zählte. Im Sommersemester 1950 wurde er durch die Theologische Fakultät der Universität MĂźnchen zum Doktor der Theologie promoviert. Der Titel der Dissertation lautete: ZΊH. Die Anschauung vom âLebenâ im vierten Evangelium unter BerĂźcksichtigung der Johannesbriefe (1952).
Mit der Habilitation im Sommersemester 1952 wurde MuĂner Privatdozent an der Theologischen Fakultät der Universität MĂźnchen. Die Habilitationsschrift erĂśrterte das Thema Christus, das All und die Kirche. Studien zur Theologie des Epheserbriefes (1955). Er setzt sich darin vor allem kritisch mit dem Entmythologisierungsprogramm Rudolf Bultmanns auseinander. Zum Wintersemester 1952/53 erhielt MuĂner einen Ruf auf den Lehrstuhl fĂźr Neues Testament an die Theologische Fakultät Trier. Er gestaltete die Diskussion Ăźber das Verhältnis des âhistorischen Jesusâ zum âChristus des Glaubensâ maĂgeblich mit. MuĂner war lange Jahre Theologieprofessor in Trier und prägte mehrere Jahrgänge von Theologiestudierenden in der Zeit vor und während des Zweiten Vatikanischen Konzils. Es beschäftigte ihn auch intensiv die Frage nach der Hermeneutik, nach der verstehenden Aneignung eines Textes, speziell des biblischen Textes. Daran anschlieĂend befasste er sich mit der modernen Sprach- und Literaturwissenschaft und dem Strukturalismus. Noch in der Trierer Zeit entstand MuĂners Kommentar zum Jakobusbrief (1964).
Im Sommersemester 1965 nahm Franz MuĂner einen Ruf an die Philosophisch-theologische Hochschule Regensburg an und im Sommersemester 1967 an die Katholisch-Theologische Fakultät der neu errichteten Universität Regensburg. MuĂner wurde somit zu einem Mitglied der GrĂźndergeneration dieser Universität in einer nicht nur hochschulpolitisch turbulenten Zeit. Er arbeitete an seinem Kommentar zum Galaterbrief, der 1974 erschien und 1988 seine fĂźnfte Auflage erfuhr (1974). 1976/1977 lehrte er zudem im Theologischen Studienjahr Jerusalem. 1981 wurde MuĂner emeritiert.
Wirken
Im Laufe seiner Studien kam MuĂner zur âEntdeckung des Judentumsâ als âWurzelâ. Im Blick auf die Verbrechen der Shoa und auf die Einsichten der Katholischen Kirche, die im Dekret Nostra Aetate (Nr. 4) des Zweiten Vatikanischen Konzils ein neues Verhältnis der Kirche zum Judentum erĂśffnete, begann bei MuĂner ein Lernprozess, der vor allem in seinem wichtigen Werk Traktat Ăźber die Juden (1979) wesentliche Ergebnisse hervorbrachte. Mit zwei weiteren BĂźchern zu diesem Thema (Die Kraft der Wurzel. Judentum â Jesus â Kirche. 1987; Dieses Geschlecht wird nicht vergehen. Judentum und Kirche. 1991) sprach MuĂner von einer âTrilogieâ, die sein zentrales Anliegen umschreibt, das er in zahlreichen Artikeln untermauerte: Das Judentum bildet die Wurzel des Christentums, es ist der edle Ălbaum, auf den die Heiden, die Christen werden, als wilde SchĂśsslinge aufgepfropft wurden (Paulus im RĂśmerbrief, Kapitel 9 â 11). Der Bund Gottes mit dem Volk der Juden ist von Gott nie gekĂźndigt worden. Die einst an das Volk Israel ergangenen VerheiĂungen sind nicht ausgelĂśscht und den Juden nicht genommen; am Ende der Zeiten wird Gott das Heil auch an Israel, am Judentum wahr machen. FĂźr MuĂner war damit zugleich die Herausstellung des Jude-Seins Jesu verbunden: Er ergänzte die Glaubensformel des Konzils von Chalcedon, die besagt, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch sei, dahingehend, dass Jesus wahrer jĂźdischer Mensch (vere homo iudaeus) sei, z. B. in seinem Artikel Was haben die Juden mit der christlichen âĂkumeneâ zu tun? (in: Una Sancta Bd. 50 (1995), S. 331 â 339). Immer wieder optierte MuĂner dafĂźr, das Bekenntnis zu Christus gegen antijĂźdische Verfälschungen abzuschirmen, Gottes Sprechen zu Israel nicht zu entwerten und groĂen theologischen Respekt fĂźr die jĂźdische Ăberlieferung zu zeigen. Die Unterschiedenheit der beiden Wege, des jĂźdischen und des christlichen, gilt es nach MuĂner zu tolerieren und positiv zu wĂźrdigen: Das Nein Israels zum Glauben an Jesus Christus ist noch einmal umfangen von der stets grĂśĂeren Gnade Gottes und Gottes geheimnisvollem Ratschluss.
Nicht nur in der Universität, auch in der Kirche war MuĂner immer aktiv: Er wurde Mitglied des wissenschaftlichen Rates der Katholischen Akademie in Bayern, Berater der Ăkumene-Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Konsultor des Vatikanischen Einheitssekretariats, Präses der Marianischen BĂźrgerkongregation. Ab dem 1. Januar 1978 war Franz MuĂner Domkapitular seiner HeimatdiĂśzese Passau. Bis 1987 war er theologischer Berater des Bischofs.
WĂźrdigungen
Zu seinem 65. Geburtstag 1981 erhielt Franz MuĂner eine Festschrift unter dem Titel Kontinuität und Einheit (hrsg. von Paul-Gerhard MĂźller und Werner Stenger).
Eine weitere Festschrift anlässlich des 90. Geburtstags wurde MuĂner von Michael Theobald und Rudolf Hoppe Ăźberreicht. Sie trägt den Titel âFĂźr alle Zeiten zur Erinnerung. Beiträge zu einer biblischen Gedächtniskulturâ (2006). Auch Papst Benedikt XVI. wĂźrdigte Franz MuĂner zu seinem 90. Geburtstag. In der Festschrift von 2006 dankte der Papst in seinem GruĂwort fĂźr alles, was MuĂner âin einem langen Leben als Priester und Gelehrter fĂźr Glaube und Kirche, fĂźr die Erkenntnis der Wahrheit getanâ habe. MuĂner habe in weiten philosophischen Horizonten gedacht. Er habe Ăśkumenische Leidenschaft entwickelt, vor allem aber immer nachdrĂźcklicher das Problem der Beziehung zum Judentum in das Zentrum seines Ringens gerĂźckt. Der Traktat Ăźber die Juden â ein zentrales Werk MuĂners â bleibe ein âMarkstein dieses MĂźhensâ. MuĂner sei es als Priester immer darum gegangen, nicht nur gelehrte Erkenntnis zu gewinnen, sondern das lebendige Wort Gottes auszulegen und anderen zugänglich zu machen. Schwierige Themen des biblischen Glaubens habe MuĂner katechetisch erschlossen. Benedikt sprach von der Freundschaft und kollegialen Weggemeinschaft mit dem frĂźheren Neutestamentler an der Universität Regensburg und dankt âganz besonders fĂźr die langen Jahre der Freundschaft, die Du mir geschenkt hastâ. Sie hätten ihn menschlich wie wissenschaftlich bereichert. Auch der damalige Präsident des Päpstlichen Rates zur FĂśrderung der Einheit der Christen, Kardinal Walter Kasper, hat dem 90-Jährigen zum Geburtstag in einem Schreiben persĂśnlich gratuliert.
Anlässlich seines 100. Geburtstages fand am 1. Februar 2016 ein Festakt an der Universität Regensburg statt. Universitätspräsident Udo Hebel wĂźrdigte MuĂner als âBahnbrecher der modernen Bibelwissenschaft, BrĂźckenbauer fĂźr die jĂźdisch-christliche Verständigung und Wegbegleiter von Papst Benediktâ. Tobias Nicklas blickte auf das wissenschaftliche Werk Franz MuĂners zurĂźck und zeigte vor allem an seinen Kommentierungen des Jakobus- und des Galaterbriefes auf, wie MuĂner den Weg zurĂźck zum Judentum fand und herausarbeitete, wie sehr Jesus Teil seines Volkes Israel, des Judentums, war und ist. Den Festvortrag hielt Michael Theobald (TĂźbingen). Er bot eine neue LektĂźre von MuĂners Untersuchung Petrus und Paulus â Pole der Einheit (1976). Nach MuĂner habe Petrus in der Kirchengeschichte institutionell, Paulus aber theologisch gesiegt. Darauf aufbauend wies Theobald aufschlussreiche Perspektiven fĂźr das heutige Ăśkumenische Gespräch auf. Da MuĂner aus gesundheitlichen GrĂźnden nicht an der Feier teilnehmen konnte, besuchten ihn Nicklas, Theobald und eine Reihe weiterer Kollegen am Folgetag in Passau.cite-ref-3[3]
Auszeichnungen
⢠1976: Ernennung zum Päpstlichen Ehrenprälaten durch Papst Paul VI.
⢠3. März 1985: Buber-Rosenzweig-Medaille
⢠7. Mai 1996: Ehrendoktor der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Passau
⢠22. Juni 2000: Ăkumenischer Preis der Katholischen Akademie in Bayern aus der Stiftung Wilhelm und Antonie Gierlichs am fĂźr Franz MuĂners Ăśkumenische Aktivitäten
⢠2009: Ernennung zum Apostolischen Protonotar durch Papst Benedikt XVI.
Schriften (Auswahl)
⢠ZΊH. Die Anschauung vom âLebenâ im vierten Evangelium unter BerĂźcksichtigung der Johannesbriefe (= MĂźnchener theologische Studien. Bd. 1/5). MĂźnchen 1952 (Dissertation).
⢠Die Wunder Jesu. Eine Hinfßhrung. KÜsel, Mßnchen 1967
⢠Christus, das All und die Kirche. Studien zur Theologie des Epheserbriefes (= Trierer theologische Studien. Bd. 5). Trier 1955 (Habilitationsschrift); 2. Auflage 1968.
⢠Was lehrt Jesus Ăźber das Ende der Welt? Eine Auslegung von Mk 13. Freiburg im Breisgau 1958; 2. Auflage 1964 (Ăbersetzung ins Englische und Japanische).
⢠Die Botschaft der Gleichnisse Jesu (= Schriften zur Katechetik. Bd. 1). MĂźnchen 1961; 2. Auflage 1964 (Ăbersetzung ins Englische, Spanische und Japanische).
⢠Der Jakobusbrief (= Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Bd. XIII/1). Freiburg im Breisgau 1964; 2. Auflage 1967; 3. Auflage 1975; 4. Auflage 1981; 5. Auflage 1987 (Ăbersetzung ins Italienische).
⢠Petrus und Paulus â Pole der Einheit. Eine Hilfe fĂźr die Kirchen (= Quaestiones disputatae. Bd. 76). Freiburg im Breisgau 1976.
⢠Die Auferstehung Jesu. Freiburg im Breisgau 1969.
⢠Der Galaterbrief (= Herders theologischer Kommentar zum Neuen Testament. Bd. IX). Freiburg im Breisgau 1974; 2. Auflage 1974; 3. Auflage 1977.
⢠Traktat Ăźber die Juden. MĂźnchen 1979 (Ăbersetzungen ins FranzĂśsische, Italienische, Englische und Spanische). Ăberarbeitete Neuauflage mit einem Vorwort von Michael Theobald, GĂśttingen 2009.
⢠Dieses Geschlecht wird nicht vergehen. Judentum und Kirche. Freiburg im Breisgau 1991.
⢠Jesus von Nazareth im Umfeld Israels und der Urkirche. Gesammelte Aufsätze (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament. Bd. 111). Hrsg. von M. Theobald. Tßbingen 1999.
Literatur
⢠Paul-Gerhard MĂźller, Werner Stenger (Hrsg.): Kontinuität und Einheit. FĂźr Franz MuĂner. Freiburg im Breisgau 1981.
⢠Michael Theobald: Die Entdeckung des Juden Jesus von Nazareth und die Christologie. Die Herausforderung im Werk von Franz MuĂner. In: Franz MuĂner: Jesus von Nazareth im Umfeld Israels und der Urkirche. Gesammelte Aufsätze (= Wissenschaftliche Untersuchungen zum Neuen Testament. Bd. 111). Hrsg. von Michael Theobald. TĂźbingen 1999, S. 1â10.
⢠Michael Theobald, Rudolf Hoppe (Hrsg.): âFĂźr alle Zeiten zur Erinnerungâ (Jos 4,7). Beiträge zu einer biblischen Gedächtniskultur. Festgabe fĂźr Franz MuĂner zum 90. Geburtstag (= Stuttgarter Bibelstudien. Bd. 209). Stuttgart 2006.
Weblinks
⢠Literatur von und Ăźber Franz MuĂner im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⢠Bibliographie Franz MuĂner
⢠Rezension von Michael Labahn zur Aufsatzsammlung von Franz MuĂner, Jesus von Nazareth im Umfeld Israels und der Urkirche (hrsg. von Michael Theobald), WUNT 111, TĂźbingen 1999 (PDF-Datei; 126 kB)
⢠Artikel von Franz MuĂner, Gibt es ein Mysterium Israel? Seine Bedeutung fĂźr die VĂślker
⢠Jßdisch-christliche Beziehungen, deutsche Website des Internationalen Rates der Christen und Juden
⢠Meldung des Bistums Passau zum 95. Geburtstag, 31. Januar 2011
⢠Beitrag mit Franz MuĂner im Onlinearchiv der Ăsterreichischen Mediathek
Einzelnachweise
cite-note-11. â Bistum Passau trauert um den Apostolischen Protonotar Professor Dr. theol. Franz MuĂner â eine groĂe PersĂśnlichkeit des jĂźdisch-christlichen Dialogs (Memento vom 4. März 2016 im Internet Archive), Website des Bistums Passau, 4. März 2016, abgerufen am 4. März 2016.
cite-note-22. â Bibelforscher MuĂner tot. SĂźddeutsche Zeitung, 4. März 2016, abgerufen am 4. März 2016.
cite-note-33. â Festakt zum 100. Geburtstag von Prof. em. Franz MuĂner, Website der Universität Regensburg, abgerufen am 4. März 2016.